Der ursprüngliche Verkaufsprozess lief telefonisch über den Vertrieb. Interessenten wurden manuell durch eine Reihe technischer Auswahl- und Ausschlussfragen geführt, bevor ein passendes Produkt vorgeschlagen werden konnte. Das war zeitaufwendig, band Vertriebsressourcen und machte den Prozess stark von persönlicher Verfügbarkeit abhängig.
Ziel war es, diesen Auswahlprozess in eine Web-Anwendung zu übersetzen, um den Vertrieb spürbar zu entlasten. Endkunden sollten ihr Wunschprodukt jederzeit selbst konfigurieren können, strukturiert durch die Auswahl geführt werden und fachlich unzulässige Kombinationen gar nicht erst auswählen können. Am Ende sollte der Vertrieb einen qualifizierten Lead mit allen relevanten Informationen erhalten.
Die Herausforderung lag nicht in einem einfachen Konfigurator, sondern in der exakten digitalen Abbildung der bestehenden Vertriebslogik. Bestimmte Entscheidungen schließen andere Optionen im weiteren Verlauf aus. Wird beispielsweise ein Drehtisch gewählt, dürfen an späterer Stelle keine Ersatzteile für einen Trommelantrieb mehr ausgewählt werden.
Diese fachlichen Abhängigkeiten mussten sauber modelliert und in einen geführten digitalen Entscheidungsprozess übersetzt werden, der für den Nutzer einfach wirkt, im Hintergrund aber konsequent nach festen Regeln arbeitet.
Die Anwendung wurde als Angular-Frontend mit einem NestJS-Backend umgesetzt und in AWS betrieben. Das Frontend wurde über Amplify ausgeliefert, das Backend lief auf einer EC2-Instanz. Zusätzliche Schutzmechanismen wie Bot-Schutz wurden ebenfalls integriert.
Im Zentrum stand eine Regel- und Ausschlusslogik, die aus den Eingaben des Nutzers eine präzise technische Konfiguration ableitet. Am Ende des Prozesses wird ein strukturiertes JSON erzeugt, das alle relevanten Angaben millimetergenau enthält. Dieses JSON wird an die Produktempfehlungslogik des Unternehmens übergeben, die innerhalb des internen Netzwerks läuft. Dort wird auf Basis der übermittelten Parameter genau ein passendes Produkt ermittelt und die Antwort an das Backend zurückgegeben.
Von dort wird das Ergebnis an das Frontend übergeben und gleichzeitig für den internen Vertriebsprozess nutzbar gemacht. Der Vertrieb erhält direkt eine E-Mail, in der alle Angaben aus dem JSON optisch aufbereitet und gut lesbar enthalten sind, sodass die weitere Kundenansprache ohne zusätzlichen manuellen Vorlauf möglich ist.
Die Produktempfehlungslogik war nicht frei von außen erreichbar, sondern nur innerhalb des internen Netzwerks verfügbar. Damit die Web-Anwendung dennoch mit der bestehenden Systemlogik kommunizieren konnte, musste eine sichere und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Integrationslösung gefunden werden.
Statt eine VPN-Lösung mit zusätzlichem Betriebs- und Kostenaufwand aufzubauen, wurde die Kommunikation kontrolliert über eine tokenbasierte Anbindung gelöst. Die Firewall wurde so konfiguriert, dass ausschließlich unsere Instanz freigegeben war und nur auf die benötigte Schnittstelle zugreifen konnte. Zusätzliche Schutzmechanismen in der Authentifizierung sorgten dafür, dass die Verbindung über die Firewall hinweg pragmatisch, kontrolliert und technisch sauber integriert werden konnte.
Endkunden können ihre Konfiguration zu beliebiger Zeit selbst durchlaufen und sind nicht mehr von der telefonischen Verfügbarkeit des Vertriebs abhängig. Gleichzeitig spart der Vertrieb mehrere Stunden pro Woche, weil die manuelle Vorqualifizierung entfällt und Anfragen bereits mit vollständigen, fachlich brauchbaren Informationen eingehen.
Damit wurde nicht nur ein manueller Prozess digitalisiert, sondern ein bestehendes Vertriebswissen so in ein System übersetzt, dass fachliche Logik, interne Systemanbindung und operative Weiterverarbeitung sauber ineinandergreifen.
Technische Projektleitung, Anforderungsanalyse, Modellierung der Vertriebslogik, Architekturkonzeption sowie Fullstack-Umsetzung von Frontend, Backend, Hosting und Systemanbindung.